Natschetin

Das sich südlich der Pfarrgemeinde Berg erhebende Dorf Natschetin lag auf einer Anhöhe und war ein wasserarmes Runddorf ohne Bach. 1185 nannte Liebscher einen gewissen Prschedota von Natschetin, während Dr. Ernst Richter den Ort erstmals für das Jahr 1512 belegte. Natschetin gehörte jedoch, bevor es zur Bischofteinitzer Herrschaft kam, mit den Dörfern Berg, Hoslau und Trohatin dem Besitzer der Burg Hirschstein.

1587 zählte der Ort im Urbar der Teinitzer Herrschaft 16 Höfe. Seit diesen Tagen war der Hofnamen Schwab bis 1946 hier beheimatet. Ferner entnehmen wir dem Urbar, daß die Trohatiner das Heu auf der vorderen Wiese unter der Stadt Teinitz zu mähen und zu ernten hatten, wobei ihnen die Natschetiner helfen mußten. Ferner waren beide Orte verpflichtet, das reife Getreide auf drei Feldern bei dem Teinitzer Hof zu schneiden, zu binden und zusammenzuführen.

1789 hatte Natschetin 20 Nummern, 1838 22 Häuser mit 218 deutschen Einwohnern und war nach Berg eingepfarrt. 1913 betrug die Häuserzahl 28, die Zahl der Bewohner 201, 1939 mit der 5 Häuser zählenden Einschichte Latschner 30 Häuser und 118 Einwohner.

Im Ort befanden sich 1 Gasthaus, 1 Dorfschmiede, 1 Kaufladen, 1 Schuhmacher, 1 Leinenweber, 1 Trafik, bis in die zwanziger Jahre auch 1 Ziegelei und 2 Musikkapellmeister. Ferner waren in Natschetin auch einige Maurer, Zimmerleute, ein Schreiner, ein Wagner, ein Maler und ein Eier- und Butterhändler. In Natschetin gab es auch einige Imker, denn die Honigtracht in der Umgebung war fast jedes Jahr gut.                                           
Die Gemarkung wies eine Fläche von insgesamt 263,47 ha auf. Davon entfielen 154,66 ha auf Ackerland, 49,90 ha auf Wiesen, 14,54 ha auf Weiden, 30,99 ha auf Wald.

Wie in den meisten Orten des Bischofteinitzer Heimatkreises, bildete auch in Natschetin die Landwirtschaft die eigentliche Lebensgrundlage der Bevölkerung. Die beiden Musikkapellen Rothmeier (Bina) und Rothmeyer (Blasch) bestanden schon seit 1870 und waren in der nahen und weiteren Umgebung bei allen Festlichkeiten gesucht.

Im ersten Weltkrieg stellte Natschetin 17 Soldaten, es fiel 1 Mann. Der zweite Weltkrieg fand 28 Natschetiner unter Waffen, von denen 9 Mann im Feld blieben.

Natschetin und Trohatin waren bis um die Jahrhundertwende (1899/1900) eine politische Gemeinde.
Bis zur Jahrhundertwende (1900) wurde in Natschetin noch viel Schafzucht betrieben. Der Hütplatz war größtenteils der noch öde gelegene Gemeindegrund in Richtung Latschen, wo später die Ziegelei entstand (Stierwiese). Latschen war ein Ortsteil von Natschetin, zirka 300 Meter entfernt vorn Dorf. Es waren dort sechs Häuser; ein Bauer, zwei Kleinbauern und drei Häusler.

Im Jahre 1905 erbaute die Gemeinde eine Ziegelei (mit Handbetrieb). Nun begann eine rege Bautätigkeit in Natschetin. Es entstanden jedes Jahr Neubauten, Bauernhäuser in einer Länge von 20-25 m. Auch die umliegenden Ortschaften bekamen mehr Baulust durch den günstigen Ziegelerwerb. Schlangen mit Fuhrwerken standen schon ab 3 Uhr morgens und warteten auf die Öffnung des Ziegelofens.

Nach dem ersten Weltkrieg gab es überall viele Arbeitslose. Da entschloß sich die Gemeinde Natschetin für den Straßenbau. Von der Bezirksstraße oberhalb Trohatin bis zur Gemarkungsgrenze von Natschetin baute die Gemeinde Trohatin die Straße, auch das Brücklein über das Wiesenbächlein. Im Jahre 1926 wurde die Straße von Natschetin nach Schiefernau bis zur Ortsgrenze gebaut. Auch Schiefernau war am Natschetiner Teilstück dieser Straße finanziell etwas beteiligt. Schiefernau baute dann auf eigene Regie die Straße aus bis zu seiner Dorfmitte.
Die Grecha-Kapelle wurde im Zuge des Straßenbaues abgetragen und wurde am Gehsteig gegen Latschen wieder neu aufgebaut. Der Baumeister war Architekt Georg Schröpfer aus Ronsperg. Im Jahre 1931 wurde die Ziegelhütte in Natschetin stillgelegt.

Die Gemeinde Natschetin gehörte zur Pfarrei Berg, wo die Kirche und Schule war. In Berg kamen so viele Kinder zusammen, daß um die Jahrhundertwende und auch noch nachher durch einige Jahre hindurch drei Klassen waren. Als aber dann in Schilligkau und auch in Trohatin eine Schule errichtet worden war, wurde die Berger Schule wieder zweiklassig. Die Volksschule in Berg besuchten dann noch die Kinder aus Berg, aus Natschetin und Schiefernau. Es gab in manchen Jahren noch 80 Kinder und darüber. Weil damals auch das Brennmaterial sehr knapp war, so ist der Schulunterricht in zwei Wintern vom November bis März ganz unterbrochen worden.
Im Jahre 1929 wurde in Natschetin das Stromnetz gebaut und somit der Ort elektrifiziert. Vorher wurden die Dreschmaschinen mit dem Göppel angetrieben. In kurzer Zeit stellten sich die meisten Bauern auf den elektrischen Strom um und im Ort gab es dann schon 14 Dreschgarnituren und meistens auch Strohpressen.

Im Jahre 1908 wurde in Natschetin die freiwillige Feuerwehr gegründet. Beim Verein waren 25 aktive Feuerwehrmänner. Damals gab es noch die Handdruckspritzen. Im Sommer 1934 wurde das 25 jährige Gründungsfest gefeiert.

Die Gemeinde Natschetin hatte ein ziemlich großes Ausmaß an gemeindeeigenem Grund. Der Pachtzins für die Kleinhäusler war niedrig. Als kleine Gemeinde hatte Natschetin verhältnismäßig viel Wald. Das Streurechen wurde im Lizenzwege vergeben. Natschetin hatte einen eigenen Waldheger angestellt.

Im Oktober 1945 übernahmen die Tschechen den Besitz der Bauern von Natschetin. Viele Familien flüchteten, da ihnen die Verhaftung drohte, freiwillig über die Grenze nach Bayern. Die Aussiedlung erfolgte am 13. 7. 1946.