Zeißermühl

Knapp anderthalb Kilometer nördlich von Stockau am Fuße des Lissa in gut geschützter Lage, gehörte Zeisermühl zur politischen Gemeinde Berg. Eingepfarrt und eingeschult war der Ort dagegen nach Stockau.

Während Dr. Ernst Schwarz vermutet, daß der Ortsname aus dem tschechischen Personennamen Sezema bzw. Sezemin abgeleitet wurde, behaupten die Zeisermühler, daß derselbe von einer Mühle komme, welche mit Erlen umstanden gewesen sei, in denen sich viele Zeisige (mundartlich Zeiserl) aufhielten.

1587 erstmals genannt, zählte Zeisermühl, 1789 zum Kammeradministrationsgut Stockau gehörig, 11 Nummern. Siegmund Landshut war zu dieser Zeit Dorfrichter und unterstand der oberen Gerichtsbarkeit von Schloß Stockau. Dem Volksmund zufolge sollen einst Glasfuhrleute zwei Buben aus der Stadt Landshut in Bayern mitgebracht haben. Man gab diesen die Namen Landshut und ließ sie in Zeisermühl seßhaft werden.

1839 hatte der Ort 12 Häuser mit 94 Einwohnern und eine Mühle, die "Zeiser- oder Zeiserlmühle" mit Brettsäge. 1913 wies das Dorf 16 Häuser und 138 Einwohner auf, 1939 21 Häuser mit 120 Bewohnern. Das Flächenausrnaß betrug 1937 146,14 ha und verteilte sich auf 61,55 ha Felder, 24,54 ha Wiesen, 71,74 ha Weiden, 31,99 ha Wald, 1,17 ha Gärten.

Im Ort befanden sich 7 größere Bauern, 1 Mühle mit Sägewerk, 1 Gasthaus mit Kaufladen, 1 Klöppelspitzenhandlung, 1 Eier- und Butterhandlung, 1 Schneider, 1 Wagner, 1 Schmied und 1 Lohnfuhrwerk, das 41 Jahre bestand und ab 1902 bis 1934 mit 3 Pferden einspännig Dienst tat.

1915 baute man die Wasserleitung, 1920 kam das Elektrische von der Mühle her. 1926 riß ein Hochwasser die aus sehr großen Natursteinen aufgeführte Mühlbachbrücke weg, die durch eine Betonbrücke ersetzt wurde. 1932 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet und mit einer Motorspritze ausgerüstet. 1935 warf ein Sturm eine der beiden großen Dorflinden um, die 23 Raummeter Holz lieferte. 1946 war die Kapellenglocke etwa 250 Jahre alt.
Im ersten Weltkrieg blieben 2, im zweiten 13 Mann.
Georg Schrnidt