Muttersdorf: Seine historische Entwicklung

Wann die Gründung des Ortes Muttersdorf erfolgte, läßt sich nicht genau festlegen. Es ist anzunehmen, daß die ersten Siedler Markomannenwaren, die durch das Vordringen der Tschechen in rauhes Waldgelände ausweichen mußten. Spärliche Reste eines alten Wasserschlosses beim Meierhof sind Beweis für ein hohes Alter der Ansiedling. Wasserschlösser wurden um das Jahr 1000 angelegt. Die Stelle, wo durch Dämme und Wasserstau ein Wehrgraben und in dessen Mitte ein sicherer Platz für das Schloß geschaffen wurde, hieß biszu Beginn des 20 Jahrhunderts "Auf der Insel". Diese Bezeichnung beweist unter anderem auch, daß die deutsche Sprache in diesem Gebiet stets gesprochen wurde und daß der ursprüngliche Name des Ortes "Insel" war. Insel aber heißt tschechisch wostrow oder ostrow und so nannten die vordringenden Tschechen unser späteres Muttersdorf.

Um das Jahr 1180 war Mutina von Bukowec, ein Burggraf zu Prag, Besitzer unseres Dorfes. Von ihm soll der Name Muttersdorf abgeleitet worden sein. Mutina erweiterte die einfache Burgstätte und befestigte sie neu. Neben der gesicherten "Insel" siedelten sich die Urbewohner an, also an der Stelle des jetzigen Meierhofes. Westlich, anschließend an seinen Besitz, legte Mutina zu beiden Seiten der alten Straße nach Bayern einen Ort an und gab ihm seinen Namen, nämlich Mutina, später Mutinsdorf. Es war kein tschechisches Runddorf, sondern ein deutsches Reihendorf, mitgeprägt von zugezogenen fränkischen Siedlern. Einen Teil der früheren Urbewohner siedelte Multina eine knappe halbe Stunde westwärts an und gab dem neuen Ort den alten Namen, "Wostrow", woraus später Wasserau entstand.

Die erste urkundliche Nachricht Ÿber Muttersdorf stammt aus dem Jahre 1253 und betrifft eine Schenkungsurkunde an Zbraslaus de Mutin, einem Nachkommen Mutinas. Im Jahre 1352 wird die Pfarrei zum erstenmal erwähnt. Die Herren von Muttersdorf und Hostau standen in engen Verwandschaftlichen Beziehungen. Beide Orte waren oft im Besitz ein und desselben Herren oder wurden zwischen Brüdern, Neffen oder Onkeln geteilt. Beide Orte wurden nach dem gleichen Plan gebaut. Zwei Häuserreihen, von Westen nach Osten verlaufend, verengen sich am Eingang und Ausgang des Ortes und umschließen einen breiten Marktplatz. Die romanischen Kirchen stehen auf erh&oum;htem Platz, umgeben vom Friedhof. Der Meierhof liegt in beiden Orten neben dem Schlosse. Beide Schl&oum;sser sind ehemalige Wasserschl&oum;sser.

Im Jahre 1333 wird Muttersdorf in einer deutschen Urkunde in München als "Mutterstorff" bezeichnet.

Die Hussitenkriege brachten dem Ort Ausplünderung und Zerstörung.

Nach einer alten mündlichen Überlieferung heißt es, daß nur. eine Witwe und zwei Kinder die Greuel überlebt hätten.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde das -Städtchen Mutterzdorf Eigentum der Wiedersperger, die es bis 1857 besaßen.

Im Jahre 1577 erhielt der Markt Muttersdorf von den Wiederopergern sein Wappen: Einen quergeteilten Schild, in dessen oberem Teil auf goldenem Grund das Bild eines Bergknappen ist, im unteren Teil auf silbernem Grund ein springender Wolf.

Nach dem dreißigjŠhrigen Krieg war der Zustand des Marktes trostlos. Viele Häuser und Höfe waren abgebrannt und konnten nicht wieder aufgebaut werden. Öd liegende Höfe waren die jetzigen Höfe Nr. 33, 35, 37, 43, 48, 51, 95 und die Häuser Nr. 64, 74, 82, 84, 87, 97, 103 und 106. Nr. 35 wurde 1680 für ein braunes, englisches Pferd samt Sattel und Pistolen verkauft. 1751 geriet das Schloß durch eine Unachtsamkeit in Brand und wurde nicht wieder aufgebaut. An seiner Stelle entstand ein einstöckiges Haus für Meierhofleute, während dieherrschaftliche Familie der Wiedersperber in ein Herrenhaus auf dem Markt einzog. Dieses Haus wurde von nun an "Schloß" genannt.

Robot-Streitigkeiten wurden 1776 in Mutterzdorf ausgetragen, und in den Jahren 1800, 1801 und 1808 Grenzstreitigkeiten mit den Oberpfälzern bereinigt. Während der Frankosenkriege (1793 - 1815) war Mutterzdorf zwar kein Kriegsschauplatz, doch war das heimische 35. Infanterieregiment fast an allen grš§eren Schlachtplätzen im Einsatz. Die Bewohner hatten auch viel durch Einquartierung und Abgaben an Lebensmitteln und Futtermitteln zu leiden.

Österreichische und russische Durchmärsche (1800 - 1814) und franzäsische Streifkorps (1805 - 1809) brachten viel Unruhe.

Ein Kreuz, zwischen den letzten Ziegelhäusern und dem Pfarrbrunnen gelegen, soll daran erinnern, daß ein russischer Soldat zu Unrecht des Diebstahls der Militärkasse bezichtigt wurde und durch Sließlutenlaufell den Tod fand. Ein anderer Soldat hatte das Geld gestohlen und in einem lXrunllell versteckt. Das Kreuz trägt die Jahreszahl l827.

Ab l850 gingell alle Rechte in politischer und gerichtlicher Hinsicht an das Bezirksgericht Hostau über. Die Gemeinden waren nicht mehr den Wiederopergern untertan. sondern selbstständige Körperschaften.

Von 1869 - 1926) waren die Grafen Coudenhove-Kalergi die Besitzer des Gutes Muttersdorf. Nach der Enteignung ging der Meierhof 1926 in die HŠnde des Tschechen J. Muzik über, der ihn bis 1938 verwaltete.

Ab 1938 wurde der Meierhof von einem Verwalter betreut und 1945 übernahm ihn der Sohn des inzwischen verstorbenen Muzik wieder.

In den Jahren 1933 - 1945 wurde Muttersdorf durch nie aufgeklärte Brandkatastrophen heimgesucht: 1933 brannte das "Miasnerhäusl" Nr. 98 ab. 1934 brach ein grö&szlog;erer Brand aus, der die Häuser Nr. 31 (Julius Schnebrich), Nr. 86 (Mulz) und Nr. 87 (Georg Gröbner) und Teile des Meierhofes (ehemals Nr. 21 und 132) einäscherte und die Herrenmühle (Schlögl) Nr. 17 erreichte. Auch die Scheunen von Julius Schnobrich (Nr. 31), Georg Hammerschmied (Nr. 32), Josef Senner (Nr. 29), Karl Maier (Nr. 28) und Wenzel Honsowitz (Nr. 27) wurden ein Raub der Flammen. 14 Lage nach letztgenannter Feuersbrunst brannte die Scheune der Familie Hannakam (Nr. 95) nieder. Im August 1945 brannte das Haus des Josef Hartl samt Schjrniede ab.

Der erste Weltkrieg forderte 50 Lote, der zweite Weltkrieg 72 Tote.

Am 2. 5.1945 wurde Muttersdorf von amerikanischen Truppen besetzt. Am Tag zuvor gab es 3 amerikanische Artillerieeinschläge. Die Treffer lagen bei der Marterhütte und am Schafberg. Schaden wurde nicht angerichtet. Die politische Verwaltung des Landkreises lag schon nach dem 8. 5. in tschechischen Händen, aber erst anfangs Juni kamen die ersten tschechischen Soldaten. Am 15. 10. erfolgte die endgültige Übergabe jedes deutschen Besitztums an die Tschechen. - Am 2. 11. 1945 wurde in Muttersdorf nochmals das Standrecht verkündet, weil man versteckte Waffen im Ort vermutete. In diesem Zusammenhang wurden 16 Jungen im Alter von 13 - 16 Jahren verhaftet und in ein Tauser Lager gebracht, wo sie bis zum Juli 1946 blieben. Einer von ihnen, Helmut Penkert- erkrankte im Lager und starb. In Mai 1946 begann die allgemine reguläre Aussiedlung.



German-Bohemian Heritage Society

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