Pössigkau

Geschichtliches - Wirtschaft - Kirche und Schule

Das Dorf Pössigkau liegt an der nördlichen Grenze des Gerichtsbezirkes Hostau, 5 km nördlich von Weißensulz, in dem Nord- Südtal des Lunzen - Hammerbaches, tief eingebettet zwischen gräne Hügel. Es wird begrenzt von den Fluren der Orte Neudorf, Molgau, Zemschen, Weißensulz und Schmolau. Nach Osten hin sind die Häuser des Ortes nur durch einen schmalen Weg von den Häusern des Dorfes Zemschen getrennt. Gegen Westen erheben sich die an ihren Hängen mit Feldern bestellten Hügel Hennerbühl, Hofbühl und Wistrej kulissenartig immer höher empor, um dann bis zur Hauptkette des dicht bewaldeten nördlichen Böhmerwaldes, Niklasberg, Plattenberg und Walpertsberg aufzusteigen. Das ergibt eienen romantischen und reizvollen Anblick und neidlos wird anerkannt, daß die Pössigkauer einen wunderschönen Fleck Erde ihre Heimat nennen durften.

Kein Wunder, daß sich auch schon in grauer Vorzeit Menschen hier häuslich niedergelassen hatten. Der Opferstein am Fuße des Niklasberges zeugt unleugbar davon. Waren es Kelten, waren es Markomannen oder noch frühere Völkerschaften? Die erste historische Besiedlung erfolgte durch die Choden, die nach geschichtlichen Quellen im 11. oder 12. Jahrhundert von den Tschechen zum Schutze der Grenze hier angesiedelt wurden, anfangs pro Ort kaum mehr als 7 bis 10 Bauern, später unterwandert, vermehrt und eingedeutscht durch Neusiedler aus Bayern. Die Choden von Pössigkau und Zemschen (sie wurden immer mitsammen genannt) gehörten zur Burgherrschaft Pfraumberg. Die böhmischen Herzoge und deutschen Kaiser gaben ihnen viele Vorrechte, z. B. Vererbungsrecht, Freizügigkeit, Jagd- und Fischereirechte, Befreiung von Robot, Zöllen und Abgaben. Dafür mußten sie die Burg Pfraumberg im verteidigungsfähigem Zustand halten, im Kriegsfalle besetzen und verteidigen und bei Bedarf gegen feindliche Einfälle im Grenzwald Verhaue anlegen. Zu den Dörfen Pössigkau und Zemschen gehörte der ca. 9 Quadratkilometer große Hochwald mit dem Niklasberg dem "Haüsberg". Es war auch das Gebiet, das sie zu begehen und zu bewachen hatten. 1596 verkaufte Kaiser Rudolf II. die Herrschaft Pfraumberg. Pössigkau und Zemschen mitsamt dem Hochwald kamen im Laufe des 17 Jhdt. an die Hostauer und mit dieser an die Bischofteinitzer Herrschaft, bei der sie bis 1848 verblieben.

Die Spuren, welche die Choden in Pössigkau hinterlassen haben sind ziemlich gering. Außer den beiden Flurnamen Klentscher und Wistrej führt die Pössigkauer Flur durchweg deutsche Namen,: meist sogar schöne, wie z. B. Huafbüahl, Trift, Louh, Krommlbüahl etc. Namen wie Brenntlouh und Hachtnbrond weisen hin, daß hier gerodet wurde, aber durch Deutsche. Es zeigt eindeutig, daß Pössigkau frühzeitig von Bayern her eingedeutscht wurde. Wahrscheinlich war dieser Vorgang zur Zeit der Hussitenkriege 1419-1436 schon vollendet, denn ein Teil der Einwohner des durch die Hussiten zeŽrstörten Dorfes Prschituln flohen nach Pössigkau und siedelten sich dort an. Doch wurden sie als Fremde empfunden und nie richtig anerkannt. Niemand wollte später ein Nachkomme der "Prschituller" sein. Natürlich wurde auch Pössigkau von den Hussiten zerstort, wahrscheinlich konnte aber das Vieh gerettet werden Der 30 jähr. Krieg wurde verhältnismäßig gut überstanden. Die große Not kam aber erst am Ende des 17. und am Beginn des 18. Jahrhunderts. Und nun war es der Wald, der ihnen Rettung brachte.

Schon immer war der Blick der Bewohner von Pössigkau auf den nahen Wald gerichtet. Als Chodenbauern durften sie aus dem Hochwald ihr Bau- und Brennholz nach Bedarf holen, konnten Gras und Streu für ihr Vieh von dort besorgen. Brennholz und Gras konnten sie in beschränktem Maße auch noch aus dem herrschaftlichen Wald bekommen. Verdienst brachte ihnen später der Wald als Köhler (daher die Namen: Kuhlbauer, Kuhlseff), als Fuhrleute, die die Holzkohle, später Langholz verfrachteten und als Heger (Hulzhojer). In den Baumschulen und Pflanzengärten waren dauernd bis zu 20 Personen beschäftigt, davon ein Teil aus Pössigkau. Als Holzschläger und beim Baumfuhrwerk waren bis zuletzt Pössigkauer beschäftigt. Im Spätherbst sammelten manche Häusler Birkenreisig, um es im Winter zu Besen zu verarbeiten. Andere machten Besen aus dem 50 cm langem Moos, das in der Louh wuchs. Auch Korbflechter gab es, die Fichtenwurzeln ausgruben und daraus Körbe und "Schwingeln" Gefalle (zwei Wasserräder) und konnte Mühle und Säge zu gleicher Zeit laufen lassen. Doch war letztere kaum mehr in Betrieb.

Die jüngste der vier Mühlen, die Neumühle wurde während des 1. Weltkrieges umgebaut. Das Wasserrad wurde durch eine Turbine ersetzt und die Mühle auf mehrere Gänge erweitert. Nun langte das Wasser nicht mehr. Der Versuch, Wasser vom Herrenweiher durch Zementrohre zuzuleiten, schlug fehl, so mußte eine Dampfmaschine eingebaut werden, die nun die Mühle und das erweiterte Sägewerk, das nun mehrere Gatter besaß, antreiben konnte. In den trockenen Jahren nach 1918 lief die Mühle Tag und Nacht. Bis aus 20 km entfernten Dörfern kamen die Bauern mit ihrem Getreide in die Neumühle. Sie war eine Goldgrube. Mehr Leute von Pössigkau aber waren in dem modernen Sägewerk beschäftigt. Einige Fuhrleute waren ständig beschäftigt Langholz zuzufahren. Tag für Tag wurden Bretter am Bahnhof in Zemschen verladen und rings um die Säge gab es gewaltige Bretterstapel. Ein Großbrand am 27. 6. 1929 vernichtete Säge- und Mühlenbetrieb, Wohnhaus, Stallungen und Scheune. Der damalige Besitzer baute Mühle und Säge nicht mehr auf. Das war ein großer Schaden für das Dorf.

Im Jahre 1924 war auch die "Intermühl" (untere Mühle) neu erstellt worden und konnte nun auch ehemalige Mahlgäste der Neumühl aufnehmen und zufriedenstellen.

Die Honsadlmühle war um diese Zeit ebenfalls erneuert und vergrößert worden. Im Sägewerk wurden von Tachauer Fachleute hiesige Leute angelernt, Drechslerarbeiten auszuführen. Auch hier mußte eine Dampfmaschine eingebaut werden. Man drechselte Holzperlen und Knöpfe, die auch gleich gefärbt wurden und stellte auch Schirmund Besenstiele her. Am Schluß kam man aber ganz auf die Herstellung von Bleistiftbrettchen aus Erlenholz, die man restlos nach Nürnberg lieferte. Zugleich stellte man auch wieder Bretter her und hatte nun den gleichen Betrieb wie vorher die Neumühle. So konnten bis zur Vertreibung einer größeren Zahl von Arbeitern Verdienstmöglichkeiten geschaffen werden. Letztere zu schaffen, hatte der tschechische Staat bewußt unterlassen.

Vor 1914 waren aus Pössigkau alljährlich viele Männer vom Frühjahr bis in den Spätherbst in Sachsen als Maurer, Zimmerleute und Handlanger beschäftigt gewesen und hatten gut verdient, nun waren sie seit 1918 arbeits- und brotlos. Frauen und Halbwüchsige konnten im Sommer auf einige Wochen ins Saazerland zur Hopfen- und Rübenernte, das war aber zu wenig. Viele Mädchen und Frauen saßen, wenn sie mit der Hausarbeit fertig waren, oft bis Mitternacht beim Klöppelsackoder der Weißnäherei. Manche hingen den ganzen Tag an diesen Arbeiten, besonders im Winter und wurdenganzkrummdabei. Die fertigen Erzeugnisse wurden bei der Firma H. Wild in Weißensulz abgeliefert. Die Entlohnung trug auch zum Lebensunterhalt bei. Als nach 1933 wieder Arbeiter in Deutschland beschäftigt wurden, gingen viele Männer hinüber, kamen aber nicht nur mit Verdienst, sondern auch mit einem bestimmten Vorsatz zurück. Ein bißchen Einsicht und Entgegenkommen der tschechischen Regierung hätte vermeiden können, was dann kam, denn diese Menschen dachten nicht in Politik, sie wollten nur nicht das Hungerdasein weiterführen.

Die Gemarkung von Pössigkau hatte mit dem Hochwald ein Ausmaß von 1205 Hektar. Der Ort zählte 1945 94 Häuser mit 460 Einwohnern. Die Landwirtschaft war nicht sehr ergiebig, weil die Felder an den steilen Hängen oft schwer zu bearbeiten waren. Es gab im Ort 3 Gasthäuser, 2 Lebensmittelgeschäfte und eine Bäckerei.

Kirche und Schule

Seit dem 14. Jahrhundert, aber wahrscheinlich auch schon freiher, waren Pößigkau und Zemschen nach Heiligenkreuz eingepfarrt. Im 16. Jhdt. hatte bei uns der Protestantismus Fuß gefaßt und erst im Zuge der Gegenreformation begannen in Heiligenkreuz um 1629 spärlich Eintragungen in die kathol. Kirchenbücher. 1786 wurde Pössigkau der Pfarrei in Weißensulz überwiesen und seit 1815 gehörte der Ort zur Tutzer Pfarrei. Zum ersten Schulbesuch überhaupt gelangten die Kinder von Pössigkau und Zemschen erst 1784 in der Schule in Tutz. 1836 wurde den beiden Dörfern eine eigene Schule bewilligt. Man baute sie nicht, wie man erwarten konnte, zwischen die beiden Dörfer, sondern in die Nähe eines Gotteshauses und das war die Kapelle am Hurber in Zeraschen. Die Schule bestand bis 1945 und war seit 1913 dreiklassig. Der größere Teil der rund 110 Schüler und Schülerinnen stammte aus Pössigkau. Einige Kinder besuchten die Bürgerschule in Weißensulz.

Anhang

Durch ungezählte Generationen hindurch lebten Tschechen und Deutsche in Böhmen friedlich nebeneinander. Erst als die Tschechen ihren eigenen Staat hatten, ging es auf einmal nicht mehr. Eine höhere Schweiz hatten sie in St. Germain versprochen, statt dessen nahmen sie uns nach und nach die Freiheit und die Lebensgrundlage, warfen uns aus allen Staatsstellen und taten nichts, unsere ungeheuer angestiegene Arbeitslosigkeit zu mildern. Ihr Ziel war, ihre Volksgrenzc bis an die Staatsgrenze vorzur schieben. Das leugnete nicht einmal ihr Staatspräsident Masaryk. Unsere Leute dagegen waren ganz unpolitisch. Sie waren so, wie man sich heute den Europäer wünscht. Was im 3. Reich geschah, war nicht von ihnen gewollt. Aber Benesch und Gleichgesinnten kam es gerade recht, denn nun konnten sie die Rache genießen, Tausende Deutsche erschlagen und die übrigen "human" mit 50 kg Gepäck ins Elend schicken.

Wir sind aber trotzdem bereit die Hand zur Versöhnung zu reichen, denn es geht um die uns teure Heimat



German-Bohemian Heritage Society

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