Zemschen

Geschichtliches

Das Dorf Zemschen liegt ungefähr 6 km nördlich von Weißensulz und 5 km südlich von Pfraumberg in einer flachen Talmulde, eng zusammengebaut mit dem westwärts gelegenen Dorfe Pössigkau.

Nachdem Zemschen zu den 13 Pfraumberger Chodendörfern gehörte und diese, nach Albrecht "Die Besiedlung Westböhmens" schon im 12. Jahrhundert bestanden, muß die Gründung derselben noch vor dieser Zeit verlegt werden. Das Schicksal der Pfraumberger Choden haben die Historiker Loserth und Pangerl in einem Beiheft des "Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen" beschrieben.

Doch gibt es Spuren einer viel früheren Besiedelung und einige Anzeichen deuten darauf hin, daß die Orte, wo später die Dörfer Zemschen und Pössigkau entstanden, schon in vorchristlicher Zeit einmal bewohnt waren.

Auf einer Waldwiese am Fuße des Niklasberges befindet sich ein riesiger Steinblock mit ausgemeißelter Mulde und Vertiefungen. Es ist offensichtlich ein Opferst ein und eine Kultstätte der früheren Bewohner diese Tales. Später wurde dieser Stein als Teufelsstein bezeichnet und der Ort gemieden.

Am Westrande von Zerfischen, wo sich später die Bauernhöfe Nr. 12 und Nr. 13 (Gotscher und Wogler) befanden, sind alle Anzeichen einer Frühbesiedlung vorhanden: Die nach Süden gerichtete Berglehne, knapp vorbei ein Bächlein, daneben eine sehr starke Quelle, als Brunnen benützt und als "Ell" bezeichnet. Über dem Bach eine sumpfige Stelle, wo sich die Schweine des Dorfes suhlten und erst 1927 entwässert wurde. Genau gegenüber denbeidenEIöfen,auf dem Hügel "Hurber", umgeben von Bäumen das Heiligtum, später eine christliche Kapelle. Am wichtigsten aber ist, daß alle Wege vom Ort der beiden Höfe ausgingen, bezw. zu ihnen führten. Als Bum 1900 der Bauer Gotscher einen neuen Stall baute, stieß man auf Grundreste eines Hauses. Was man dort ausgrub, warf man in den nahen Bach, u. a. auch einen Steinwürfel, den man ebenfalls als Teufelsstein bezeichnete, denn er hatte eine ausgewetzte Mulde, wie einen Sitz.

Als die Choden kamen, errichteten sie ostwärts davon einen Teich und bauten ihre Wohnstätten zu beiden Seiten, nach den Hofanlagen zu schließen für etwa 8 bis 10 Bauern. Man sieht auch, daß sie weiterhin die vorgefundenen Wege benützten, auch wenn es Umwege waren. Um 1600 hatte das Dorf 20 Bauernhöfe und vier Tripfhäuseln.

Im südlichen Teil der Gemarkung von Zemschen befand sich in früheren Zeiten ein kleines herrschaftliches Gut, ca. 80 Hektar groß mit 9 Fischteichen. Es ging wahrscheinlich im Hussitenkrieg (1419-1436) oder schon früher zugrunde. Alle und Wiesen, von den Leuten als "Schlösselgrund". bezeichnet, brachten die Bauern von Zemschen durch Ankauf an sich. Dem Anschein nach waren ursprünglich nur 10 Bauern im Besitz dieser Grundstücke, somit könnte man schließen, daß Zemschen damals nur 10 Bauernhöfe aufwies. Später gingen solche Grundstücke vielfach an die landhungrigen Kleinbauern und Häusler über. Diese Felder und Wiesen vom Schlösselgrund waren alle unregelmäßig geteilt und stachen dadurch von der übrigen Flur scharf ab. Erworben wurden diese Grundstücke von den Bauern, als sie noch Choden und im Besitz vieler Privilegien waren. Als die Chodendörfer 1596 vom Kaiser verkauft wurden und die Bauern Untertanen der Hostauer Herrschaft geworden waren, konnten sie auch da noch über diese Grundstücke, im Grundbuch als -Freistuck bezeichnet, frei verfügen.

DaßZemschen durch die Hussiten arg zu leiden hatte, und wie die Dörfer der Umgebung geplündert und niedergebrannt wurde, bewies ein Brief Kaiser Siegmunds 1437, worin er seinem Burggrafen und den Beamten auf Pfraumberg befiehlt, daß sie den Choden von Pfraumberg Wegen deren großen Treue und Armut‚ im Laufe eines Jahres keine Steuer noch andere Ergiebigkeiten erheb und zu keiner Hilfeleistung vor Ablauf dieser Frist zwinge.

Der 30 jähr. Krieg hat auch unsere Gegend nicht verschont. 1621 hatten Mansfelder Truppen Pfraumberg besetzt. Tilly zog mit seinen Landsknechten vorbei, auch 1630 kam viel Kriegsvolk durch und 1641 haben die Schweden hier gehaust. Doch müssen sich die Bauern von Zemschen rasch wieder erholt haben, denn 1654 hatten sie einen für die damaligen Verhältnisse ziemlich hohen Viehstand. So hatte z. B. einer der 11 größten Bauern 4 Ochsengespanne, 4 Kühe 8 Jungrinder, 7 Schafe und 9 Schweine. Die allgemeine große Verarmung in Deutschland hat sich in unserer Gegend erst zum Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts voll ausgewirkt. Eine ganze Anzahl Bauern wurden von der Herrschaft gezwungen, ihren Hof éeinem besseren Wirt‚ zu verkaufen oder dem Sohne zu übergeben. Meist hieß es im Grundbuch, "wegen großer Armut und schweren Zeiten". Die Gebäude wurden als baufällig geschildert. Der Kaufpreis der Höfe sank bei der übergabe von ca. 200 Schock auf 100 bis 60. Im Theresianischen Kataster 1713 hatten die größten Bauern im Ort nur mehr eine Kuh, 1 bis 3 Jungrinder und 1 bis 3 Schweine, aber alle Bauern 2 Ochsen für die Robot, das ist bezeichnend. Die Lasten der Leibeigenschaft gingen über die Leistungskraft der Bauern. Die Herrschaft hatte keine Einsicht und dachte nicht daran, ihnen zu helfen und sich selbst einzuschränken. Erst als Kaiser Josef II. 1781 die Leibeigenschaft aufhob, wurde es für die Bauern besser. Obzwar die größeren Bauern immerhin noch jährlich 73 Zugrobottage mit 2 Ochsen und 34 Handrobottage mit einer Person zu leisten hatten, kam bald eine gewisse Wohlhabenheit zustande. Zernachen wuchs um diese Zeit um die sogenannten "Häuseln". und stellt damit die Verbindung mit Pössigkau her, denn fast jeder Bauer ließ für eins seiner Kinder in der "Baind" ein Häusel erbauen und gab ein Feld dazu.

1826 brannte eine Seite des Dorfes mit 8 Bauernhöfen ab, was den Ort in der wirtschaftlichen Entwicklung zurdickwarf, denn damals gab es noch keine Feuerversicherung.

Erst um 1900 begann der neue wirtschaftliche Aufstieg. Die damaligen Jungbauern waren mit der herkömmlichen Art der Bewi Ortschaftung ihrer Höfe nicht mehr zufrieden. Sie gingen neue Wege sowohl im Ackerbau als auch in der Viehzucht und der Erfolg blieb nicht aus. Zemschen wurde bald zu den erfolgreichsten Gemeinden des Kreises gezählt.

Zur wirtschaftlichen kam auch die kulturelle Erneuerung. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Pößigkau konnte ein Männerchor gegründet und eine Ortsgruppe des deutsch. Landjugendbundes mit Pflege alter Gebräuche, des Volksliedes und einer Dorfbühne ins Leben gerufen werden.

Nun dachte man auch daran, das Dorf zu verschönern. Die beiden Dorfteiche wurden ausgebessert, das Bachbett ausgemauert, überall im Dorf Linden, Ahorn u. a. Bäume gepflanzt. Mitten im Dorf, wo früher ein Sumpfloch war, eine Anlage mit Kriegerdenkmal, Springbrunnen und Blumen errichtet. Nun bot das Dorf mit den zwei Reihen der Bauernhöfe, mit den beiden Teichen und dem Wald im Hintergrund einen schönen Anblick.

Am 20. April 1945 wurde Pfraumberg in Brand geschossen. Einige Tage später beschossen die Amerikaner das Dorf, fuhren dann am Hurber über dem Ort mit Panzern auf, zündeten ein alleinstehendes Haus an und besetzten das Dorf. Am meisten wunderten sie sich darüber, daß sie in der CSR keine Tschechen, sondern nur Deutsche fanden. Als sie abzogen und die Tschechen anfingen, die Höfe zu besetzen, sind junge

Leute nach Bayern geflohen, um einer Verschleppung zu entgehen. Die nun folgenden Demütigungen, Schikanierungen und Bedrohungen brachten viele Landsleute fast zur Verzweiflung. Viele warteten nur noch auf Ihre Männer, die bei Taus auf tschech Höfen tagsüber schwer arbeiten mußten und nachts blutig geschlagen wurden, urn nach Deutschland zu fliehen oder ausgesiedelt zu werden.

Wie sie wohnten - und lebten

Alle Häuser, die noch aus dem 18. Jahrhundert oder etwas später entstanden, waren aus Holz, das damals bei uns das billigste Baumaterial war. Bis zum Dachansatz waren es aneinandergefügte zugehauend Balken, die man meist mit Kalk bestrich, die Giebel waren aus festen Brettern. Jedes Haus enthielt eine, geräumige Stube, eine Kammer, ein sogenanntes Stübel mit eigenem Eingang und einen Backofen, in dem man nicht nur Brot Kuchen und Zelten (flache Fladen aus Mehl und Erdäpfel) backen, sondern auch Birnen zu Hutzeln, Zwetschgen und sogar Flachs dörren konnte. Darüber war der breite Rauchfang, in dem man Fleisch zu räuchern pflegte, man heizte nur mit Holz.

An das Wohnhaus schloß sich der Rinderstall an und an diesen der Schaf und Schweinestall, der später ganz zu letzterem umgebaut wurde. Anschließend erzrichtete man später den Pferdestall. Das Wohnhaus und die Ställe befanden sich unter einem Dach, das anfangs mit Stroh, später mit Schindeln und in neuerer Zeit auch mit Schiefer gedeckt war.

Die Scheune, Stodl genannt, bildete mit dem Schupfen, in dem die Wagen und Ackergeräte untergebracht waren, ebenfalls ein Gebäude. Das Fundament war wie beim Haus aus Stein, aber die Wände aus Holz, das Dach aus Strohschauben. Später verwendete man Schindeln und nach 1900 Schiefer oder Dachziegeln zum Dachdecken.

Das Wohnhaus mit den Ställen, der Scheune und dem Nachbarhaus schlossen den Hofraum ein, in dem sich die Düngerstätte mit der Jauchengrube (Odlhühl) der Holzschupfen und der Obstgarten entlang des Nachbarhauses befand. Gegenüber dem Rinderstall hatte jedes Bauernhaus den eigenen Brunnen. Man benützte eine feste Stange mit einem Haken. Daran hängte man den Holzeimer, tauchte ihn unter und zog ihn gefüllt mit Wasser am hölzernen Brunnenrand empor. Nach li büsgerlesl sich Holzpumpen ein. In einigen Obstgärten war ein bescheidener Bienenstand. Der ganze Hofraum mit Garten war durch eine Lehmmauer, später einem Zaun gegen das Dorf abgeschlossen. Durch einen gemauerten Torbogen gelangte man auf die Dorfstraße. Die Keller hatte man meist in einem Gewölbe unter der Scheune untergebracht. Kartoffeln, Dorschen und auch die Milch stellte man dort ab.

Die meisten Bauernhäuser hatten die Haustüre an der geschützten Ostseite des Hauses. Der Fußboden des Vorhauses bestand ursprünglich aus gestampftem Lehm oder Ziegeln, später aus Beton. Vom Vorhaus gelangte man in die Stube, das Stübl, den Rinderstall und auf den Dachboden. Die Stube war groß, ca. 5 mal 5 m, auch größer, selten kleiner. Bei der Tür und um den Kachelofen war der Boden mit Ziegeln ausgelegt, der übrige Teil hatte einen Bretterfußboden, der alle Samstage mit einem éStrohriegel‚ und mit Sand sauber gerieben wurde. Zwei Fenster zeigten auf den Hof, zwei auf die Dorfstraße. Im Eck zwischen den Fenstern war eine Bank und davor der stämmige Holztisch mit einigen festen Stühlen. In der Ecke zur Kammer stand das breite Ehebett, darunter das "Trüa" (Truhe). Diese Truhe war tagsüber unter das Bett geschoben, nachts wurde sie vorgezogen und darin schliefen die kleineren Kinder. Die größeren Kinder mußten am Dachboden schlafen. Solange die Kinder klein waren, schliefen die Dienstboten dort, wurden sie größer, brauchte man keine Dienstboten mehr.

In der Ecke zum Backofen stand der mächtige Kachelofen ohne Platten. Man stellte die Kochtöpfe ins Innere des Ofens auf die Gflut. Häufig wurden Tontöpfe benützt. In Schulterhöhe konnte man eine Kachel aus einer Kante des Ofens herausnehmen. Dort befand sich der ,.Gutzer, ein kleiner Hohlraum mit einer Tonröhre, die zum Schlot führte und einem kleinen Eisengestell, auf dem man das Kienholz entzündete. Er war der Lichtspender in den langen Winternächten, wenn die Hausleute von der Arbeit fertig, in der ..Sitzweil‚ sich um ihn gruppierten. Damals wurde noch Flachs gesponnen, den feinen Faden mit der Spindel, den groben mit dem Spinnrad. Wenn das Spinnrad summte und schnurrte und die Spindel tanzte, lag es an den anwesenden Männern die Spinnerinnen wach zu halten und vor dem "Natze". (Einnicken) zu bewahren und das taten sie am besten durch das Erzählen von Geschichten. Wie schaurigschön, wenn vom "Nippel" am Niklasberg, vom Prussamannl, den Feuermännern und anderen Gespenstern die Rede war. Da ruhten wohl auch die Spinnräder, man horchte auf den heulenden Wind draußen und gar unheimlich glotzten die nachtschwarzen Fenster in die vom flackernden Gutzerlicht nur unstet erleuchtete Stube. Man benützte keine Fenstervorhänge und konnte bei dem spärlichen Licht nach drauffen sehen.

Wenn sich in einem Hause mehrere ledige Mädchen mit ihren Rocken zum Spinnen zusammenfanden, waren auch Burschen willkommen, die sie nicht nur unterhielten, sondern auch am Heimweg begleiteten. Meist gab es mehrere "Rockerstuben". ion Dorf. Um l900 hatte den Rocken der Klöppelsack verdrängt und später kamen sie nur mehr zum Vergnügen und nicht mehr zur Arbeit zusammen, höchstens daß sie dort auch das Tanzen lernten.

Über dem Ofen waren Stangen zum Trocknen der Windeln, Wäsche, Kleider und des nötigen Schleißenvorrates angebracht. Die éSchleißen.. gewann man aus astfreiem Fahrenholz, indem man schmale Streifen nach den Jahrc3ringcn von einem Stück Holz mit dem Messer abzog. Unter der Ofenbank hatten manche Häusler im strengsten Winter auch Hühner untergebracht, häufig auch Bauern brütende Gänse oder frisch geschlüpfte junge Gänschen. So konnte es passieren, daß ein fremder Besucher, der sich nichtsahnend auf der Bank niederließ, von einer empörten Gans empfindlich in die Wade gezwickt wurde. Um den Ofen herum stand die Ofenbank und hinter ihrn war ein gemütlicher Winkel, wo sich's so schön unatzen ließ und wo sich am liebsten die Großeltern aufhielten, wenn sie nicht vorzogen, es sich in ihrem Stübel bequem zu machen. Der Bauer ging in der Woche manchmal ins Höitähaus oder die Schmiede hutschen (auf Besuch). Nicht im Wirtshaus, in diesen Gemeindehäusern trafen sich die Männer des Dorfes. Ins Wirtshaus ging man in der Regel nur am Samstag abends oder am Sonntag.

Neben der Stube befand sich die Kammer. In den alten Holzhäusern bestand der Fußboden oft noch aus gestampftem Lehm oder Ziegeln. Ein kopfgroßes Loch in der Vorderwand diente als Fenster. Die Kammer war der Vorratsraum für Kartoffeln, Rüben und Flachs. Dort stand das große Krautfaß, die Schnitzbank und an den Wänden hingen Werkzeuge und alte Kleider.

Im Vorhaus war die Bodenstiege, die aus Holz war und sehr steil nach oben führte. Unter ihr war der Eingang zum Rinderstall. Man betrat ihn mit Holzschuhen, die man bei der Rückkehr vor der Stubentüre oder auch erst nachher auf den Ziegeln in der Stube abstellte, was die Bäuerin aber mißbilligte.

Als im April 1826 ein Feuer ausbrach und 8 Bauernhöfe auf der sogenannten "Sonnenseite". einäscherte, hat sich in Zemschen manches geändert. Man baute die neuen Häuser mit dicken Mauern aus Stein wieder auf, auch die Giebel, nur zwei Häuser erhielten wieder einen Brettergiebel, aber alle eine "Schafsnase", einen abgeschrägten oberen Teil des Giebels. Diese Häuser hatten nun auch in der Kammer einen Bretterfußboden und ein normales Fenster auf die Dorfstraße. Das Gerümpel kam nicht mehr hinein und nun konnten auch größere Kinder besonders Mädchen dort schlafen.

Schlecht bestellt war es immer noch mit der Beleuchtung auch noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Zum Feuermachen verwendete man immer noch Stein, Stahl und Zündschwamm. Altkleidersammler, Haderlumpen genannt, brachten die ersten Schwefelhölzer unter die Leute, die von ihnen ungemein bestaunt wurden. Sie erzählten einander: ..Da braucht man damit nur über die Wand fahren und schon brennts‚.. Man benützte immer noch den Gutzer. Mußte man rasch in den Stall, auf den Boden oder in die Kammer, so leuchtete man mit brennenden Schleißen. Die waren natürlich sehr feuergefährlich und von der Gendarmerie verboten, aber Kerzen waren zu teuer und Schmernockel nicht brauchbar dazu. Die ölfunzeln lernte man erst später kennen und verwendete sie als Stallsternen. Kienholz für den Gutzer gewann man aus alten Kieferstöcken, die man ausgrub. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Petroleumlampen mit Docht und Glaszylinder Eingang fanden, wurden sie bestaunt. Man war entzückt über das "helle". Licht. In den Gasthäusern waren sie einige Jahre früher im Gebrauch.

Nach dieser Zeit wurden auch die Kachelöfen immer seltener. Die neuen öfen waren nur tischhoch und aus Ziegeln zusammengesetzt, trugen einige Eisenplatten und am erhöhten Teil, einen oder zwei Hafen eingelassen, in denen es tagsüber fast immer warmes Wasser gab. Sie waren aus Gußeisen und nahmen leicht einen Eimer Wasser auf einmal auf. Zum Kochen der umfangreichen "gegangenen". Knödeln waren sie wie geschaffen. Im Sommer blieb der Herd kalt. Alle Speisen und auch die Kartoffeln und anderes Schweinefutter kochte man nun im Vorhaus, wo auch ein Herd stand.

Nach dem ersten Weltkrieg, aber auch schon vorher, fing man an, höhere Ansprüche an das Wohnen zu stellen. In den Wohnungen durften außer Katze und Hund und letzterer auch nicht gern, nun keine Tiere mehr gehalten werden. Die Fenster zierten in vielen Häusern Vorhänge, man hatte eine Paradestube mit Glaskasten etc. Leider verschwanden aber auch die alten Bauernschränke und bemalten Truhen und wurden durch städtische Möbel ersetzt. Hatte man früher nur ein großes Schaff zum Baden und Waschen, benützte man jetzt schon Badewannen. Badezimmer gab es vor der Vertreibung nur in zwei Häusern und ein Wasserklosett sogar nur in der sogenannten "Villa". Man darf aber nicht vergessen - das war noch vor dem 2. Weltkrieg und vor unserer Vertreibung aus der unvergessenen Heimat, da wohnte man auch hier noch bescheidener als jetzt.



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