Chronik der Ortschaft Oberhütten (nach Johann Micko)

Der Ort Oberhütten ist vermutlich um 1618 aus einer Glashütte entstanden. Die Entfernung von der bayerischen Grenze betrug etwa 1 km. Aus einem Flonsperger Schriftstück ist zu erfahren, daß Herr Fux von Walburg auf Schneeberg, dem damals Winklarn und Schönse gehörten, im Jahre 1618 den Hüttenmeister Sebastian Reger eine Glashütte erbauen ließ, wogegen Herr von Wiedersperg auf Muttersdorf protestierte, weil die Hütte auf seinem Grund stand.

Die Entwicklung des Dorfes Oberhütte begann 1738, als die beiden Brüder Johann Friedrich und Christof Wenzl von Wiedersperg in Muttersdorf herrschten, die durch Abgabe von Baustellen und Ansiedlung von steuerzahlenden Untertanen ihre Einnahmen vermehrten. Oberhütte gehörte damals zu dem bayerischen Dorf Steinlohe, das ja bis 1766 zu Böhmen gehörte. Im Jahre 1788 waren schon 14 Häusler hier ansässig. Die Robot der Oberhüttner durfte wahrscheinlich in den herrschaftlichen Wäldern oder auf dem Dianahof geleistet worden sein. Im Jahre 1851 wurden alle Roboten und Zinsungen abgelöst.

Die Einwohnerzahl von Oberhütten betrug im Jahre 1785 93 Personen, im Jahre 1839 wurden schon 200 Einwohner und 19 Häuser gezählt. Im Jahre 1910 waren 36 Häuser mit 329

Einwohnern, wobei damals auch schon das im Jahre 1875 gegründete Paadorf mit inbegriffen ist. Im Jahre 1865 brannten 8 Häuser mit allen Nebengebäuden ab,1907 wurden 10 Anwesen ein Raub der Flammen und 23 Familien obdachlos. Noch in den 1860er Jahren trugen die Männer in Oberhütten gelblederne Hosen bis zu den Knien, Wadenstrümpfe und Schnallenschuhe, später ganzlederne Hosen und lange Mäntel.

Wallfahrten gingen die Oberhüttner nur nach Bayern und zwar nach Ast, Neukirchen-Heiligenblut und nach Pleystein, manchmal auch nach Altötting und nach Maria Kulm. Kirchlich gehörte Oberhütten zuerst nach Muttersdorf, dann nach Waier. Oft wurde aber die Kirche in Stadlern besucht. Eingeschult war Oberhütten nach Unterhütten.

Im ersten Weltkrieg waren 33 Mann eingerückt, von denen 5 Mann nicht mehr zurückkehrten.

Was den Namen Oberhütten, der mundartlich Owahitn oder auch ‹auf da eiwan Hitn" ausgesprochen wurde, betrifft, so ist darüber viel zu sagen. Von der ersten Erwähnung im Jahre 1651 bis 1735 heißt es nämlich ‹Glashütte Sehwarzach", aber in vielen Abänderungen. In Schwarzach ist jedoch nie eine Glashütte gestanden. Als Glasmacher in Oberhütten wurden damals genannt: Andreas, Hans, Georg und Ulrich Nachtmann, dann ein Paa, Meindl, ein Reichenbergen Christof Müller, Lindmeier, Schwingt Erl, Hirsch, Widl, Rückauer, Kopp und Werner.

Im ersten Weltkrieg sind folgende Soldaten gefallen: Fritz Lang Nr.5, Johann Meisinger Nr.6, Georg Paa Nr.17, Max Wiedl Nr.22, Michael Wiedl Nr. 22. Im zweiten Weltkrieg sind 39 Mann eingerückt, von denen 16 Mann nicht mehr zurückkehrten und zwar: Johann Fleischmann Nr.1, Johann Fleischmann Nr.9, Karl Fleischmann 54, Josef Hubatsch Nr.7, Johann Lindmeier Nr.4, Michael Lindmeier Nr.4, Anton Nagelschmidt Nr.15, Johann Paa Nr.14, Johann Paa Nr.16, Josef Paa Nr.14, Michael Paa Nr.18, Franz Wiedl Nr.3, Karl Wiedl Nr.50, Max Wiedl Nr.50, Georg Vogl Nr.13, Karl Vogl Nr.54.

Wiesen und wildwachsende Büsche, umsäumt von Hochwald, deuten an, wo einst Oberhütten stand. Nach der Vertreibung wurden die Oberhüttner in verschiedene Gegenden Deutschlands verstreut, ein Teil hat sich in Oberviechtach niedergelassen.



German-Bohemian Heritage Society

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