Aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Waier

Waier, ein Dorf mit 73 Häusern und zirka 500 Einwohnern, lieblich im Tal der jungen Radbusa gelegen, umrahmt von Wald und Bergen wie dem großen Fels (757 m), Eisenberg (787 m), Plattenberg (859 m), nahe beim Hirschstein (876 m). Die Gründung von Waier geht wohl in das sechzehnte Jahrhundert zurück. So um das Jahr 1571 -1579 soll ein Ritter Wiedersberg dort einen Weiher zur Fischzucht angelegt haben. Er soll einen Umfang von 730 Schritt gehabt haben und führte Hechte und Karpfen. Fürden Wächter wurde ein Hauser stellte es dürfte das Haus Nr.3 gewesen sein. Eine Säge kam später hinzu, wohl auf dem heutigen Rapauf. ºber den ehemaligen Weiherdamm (er heißt heute noch so) führt die Bezirksstraße. Waier war ein Straßenknotenpunkt in Richtung Schönsee 8 km, Weißensulz 8 km, Hostau 8 km, Ronsperk 8 km. Zur bayerischen Grenze waren es 3 km. Die Ansiedlung des ™Ortes begann 1760-1770.1785 hatte Waier schon 24 Häuser und 129 Bewohner, die Einwohnerzahl stieg besonders nach der Errichtung der Pfarre.

Eingepfarrt war Waier seid der Gründung nach Muttersdorf, ebenso wie die Nachbarsorte, die zum Teil fast drei Stunden des Weges zur Kirche hatten. Erst im Jahre 1786 wurden die Dörfer Waier, Bernstein, Friedrichsdorf, Schnaggenmühle, Neid, Franzbrunnhutte, Schwarzach, Unterhütte, Oberhütte von der Pfarre Muttersdorf abgetrennt und in Waier eine Lokalie errichtet. Dazu kam noch das in den 1870er Jahren gegründete Paadorf. Erster Geistlicher war Georg Killian aus Eisendorf, Kaplan in Ronsperk, der am 28. Okt.1786 nach Waier kam und am 5. November in einer Kapelle den ersten Gottesdienst hielt. Bis der Pfarrhof fertig war, wohnte er drei Jahre auf der Troth.1787 wurde der erste Friedhof angelegt.1830 ein Neuer, der wegen Nässe aufgegeben werden mußte.1914 wurde der heutige angelegt. Die Kirche wurde 1795-1798 erbaut vom Patron Freih. v. Linker in Ronsperk.1827 baute Graf Thun den Turm, das Presbyterium, ein längeres Schiff und stelite zwei Glocken auf. Kirchenpatronin ist die hl. Anna. Die Kirchenparamente (Gottesdienstliche Gewänder und Stoffdekken) kamen aus dem autgelassenen Kloster in Stockau und vom Dominikanerkloster in Klattau, die Kanzel und zwei Bilder 1802 aus der Kapelle der früheren Mossburger Hutte bei Walddorf, die Orgel aus der Kapelle in Johanneshütte, von da stammte auch der jüdische Glasfabrikant Bloch, der für die Kirche 1854 eine neue Orgel kaufte. Die große Glocke, gegossen 1697, stammte aus der aufgelassenen Kirche in Mariateinitzl, die zweite aus St. Georgen bei Ronsperg. So mühselig mußte die Kirche ausgestattet werden. Vielleicht war sie uns gerade deshalb so lieb und teuer. Im ersten Weltkrieg mußten zwei Glocken abgeliefert werden.1856 wurde die Lokalie zur Pfarre erhoben.

Die nach 1900 in Waier wirkenden Geistlichen sind: [ Zeleny Severin aus Klattau, vorher Kaplan in Mut†tersdorf, starb 1900 in Waier. Jiran Johann aus Hlavatetz kam 1928 nach Metzling, starb 1955 in Taus. Pfarrer Jiran war es auch, der 1923 veranlaßt hatte, daß Althutten von der Pfarre Muttersdorf abgetrennt wurde und zur Pfarre Waier kam. - Wittman n Georg aus Metzling bis 1939 starb 1972. Bayer Karl von 19391945 kam nach Stadlern. Manlik Alois ab 1945 bis zur Vertreibung, jetzt in Reichoidsried/AIIgau. Ein Sohn unserer Pfarrgemeinde, Rudolf Liebl, Sohn der Eheleute Georg und Anna Liebl geb Heumann aus Althutten, Pfarrei Waier, wurde am 29. Juni 1974 im Hohen Dom zu Regensburg von Diozesanbischof Rudolf Graber zum Priester geweiht. Am 14. Juli 1974 feierte der Primiziant in Oberviechtach, dem jetzigen Wohnort der Familie Liebl sein erstes hl. Meßopfer unter herzlicher Anteilnahme der ganzen Pfarrgemeinde. Die Kirche in Waier wurde nach der Vertreibung ausgeplündert und stand als Torso bis zur endgultigen Abtragung 1964. Nur die drei herrlichen Linden erinnern an die Ste¿lle, wo sie einst stand. Auf diesen Platz wurden 1973 neue Wohnungen und eine Schule gebaut.

Zur Schule gehorte Waier von jeher nach Muttersdorf. Im Jahre 1787 wurde eine Schule in Waier gebaut. Die endgultige heutige Form dürfte sie 1894 erhalten haben, als das Schulhaus erweitert wurde und ein Stockwerk bekam. Zur Schulgemeinde Waier gehörten die Orte Bernstein, Friedrichshof, Großgorschin, Putzbühl, Pfaffenberg, früher auch Neid und Schnaggenmuhle, bis 1909 in Neid eine Expositur errichtet wurde EhönRn wAr pR mit Rindi, wo 1891 eine Winterexpositur errichtet wurde, die 1895 in eine Ganzjahresschule umgebaut wurde, sowie auch in Neid.

Die ersten Lehrer in Waier waren: Suß Michl aus Taus, kam 1812 nach Dianahof. Hübner 1812-1813; Krauß Ludwig aus Ronsperg 5.8.1886 bis 31.11.1922. Er starb 1923 in Waier. Domeier Johann aus Waier, später Oberlehrer in Schwanenbrückl und Muttersdorf. Preywich Thomas aus Ronsperg, Maurer Georg aus Neugramatin, gefallen im ersten Weltkrieg.

Die Bewohner unserer Heiœmat waren fleißige, freundliche Menschen, dem Gesang sehr verbunden. Die Häusler hatten kleine Landwirtschaften mit zwei bis drei Kühen im Stall. Die Frauen klöppelten, im Sommer gingen die Mädchen und die jungen Männer in die Kurorte zur Arbeit, im Herbst oft ganze Familien in die Saazer Gegend zum Hopfenpflücken. In Waier gab es drei größere Landwirte, drei Gastwirte, eine Gemischtwarenhandlung, später noch ein Konsum, Metzger, Schmied, Spengler, Tischler, Schneider, Schuster, Maurer und einen Straßenwart. Unser letzter Bürgermeister war Franz Kraus Nr.46, vorher war es Josef Lang Nr. 3. Ursprünglich gehörte Waier zur Post nach Bischofteinitz, später nach Klentsch und Ronsperg. Seit 1904 zu Schwarzach,1939 wurde die Post nach Waier verlegt.

An Vereinen bestanden in Waier die 1901 gegründete freiw. Feuerwehr mit Kommandanten Oberlehrer Ludwig Krauß. Nach dem ersten Weltkrieg übernahm das Kommando Johann Saffert.1903 Gründung eines Raiffeisenvereins,191 Owurde der Böhmerwaldbund und später noch der Kulturverband gegründet. 1925 bekam Waier einen Arzt Dr. Thierfeld. Seine Praxis war im Hause Lindl Nr.52, sein Nachfolger, der seine Praxis im Hause Saffert hatte, Dr. Linhardt, starb 1933 in Waier. Bis 1938 praktizierte Dr. Salomon im Hause Liebl Nr.4. Zuvor wurde Waier von den ¥rzten Dr. Wurmer und Dr. Ehm aus Ronsperg ärztlich betreut. Nach 1938 kam Dr. Jahn aus Tiefenbach zweimal wöchentlich nach Waier.1919 wurde in Waier ein Gendarmerieposten errichtet, bis 1938.



German-Bohemian Heritage Society

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