Search billions of records on Ancestry.com

Die Landskroner Emigration, Boehmen, in den Mittleren Westen Nordamerikas

von Edward G. Langer Copyright 1997, Edward G. Langer Alle Rechte vorbehalten

Zu Beginn der 50iger Jahre des 19. Jahrhunderts verliessen viele Familien ihre Heimatdoerfer in Boehmen und Maehren, um ein neues Leben zu beginnen. Boehmen und Maehren waren damals Teile des oesterreichischen Imperiums. Einige Familien zogen in deutschsprachige Staedte und Doerfer des oesterreichischen Imperiums oder der deutschen Fuerstentuemer. Andere wiederum reisten in weit entfernte Laender, wie zum Beispiel das russische Reich, Suedafrika oder Amerika, um dort ihr Glueck zu versuchen -- die meisten als Bauern. Das ist die Geschichte einiger dieser Emigranten aus dem Kreis Landskron, Boehmen, die sich dazu entschlossen hatten, im Mittleren Westen Nordamerikas, vor allem im Staate Wisconsin, ein neues Leben zu beginnen.

Die Alte Welt

Der Kreis Landskron (tschechisch: Lanskroun) wurde nach der Stadt Landskron benannt. Er bestand aus der Stadt Landskron und ca. vierzig Doerfern. Die Stadt Landskron hatte ab 1850 ca. 5000 Einwohner und war mit dem Rest des oesterreichischen Imperiums durch Eisenbahnlinien verbunden. Die vierzig Doerfer, die zum Kreis Landskron gehoerten, waren in ihrer Groesse sehr unterschiedlich. Die kleinsten hatten nur ein paar hundert Einwohner, die groessten knapp ueber eintausend Einwohner. Die Doerfer waren durch Strassen mit der Stadt Landksron verbunden. Dreiviertel dieser Doerfer bestanden zum ueberwiegenden Teil aus Deutschen, der Rest aus Tschechen. Sowohl die Tschechen als auch die Deutschen gehoerten hauptsaechlich der roemisch-katholischen Kirche an. Die Stadt und der Kreis Landskron liegen ca. 130 km suedlich von Wroclaw (Breslau) und ca. 190 km noerdlich von der damaligen Hauptstadt des oesterreichischen Reiches, Wien, entfernt.

Ein typisches Dorf des Kreises Landskron war Ober-Johnsdorf (Horni Tresnovec), das unmittelbar noerdlich der Stadt Landskron lag. Um 1850 hatte es ca. eintausend Einwohner, die meisten von ihnen waren deutschstaemmig. Das Dorf hatte aber auch einen bedeutenden Anteil an Tschechen. Die Nachbardoerfer noerdlich von Ober-Johnsdorf, Cermna (Boehmisch Rothwasser) und Nepomuky (Nepomuk), waren hauptsaechlich von Tschechen bewohnt. Die anderen Nachbardoerfer, Jokelsdorf (Jakubovice), Michelsdorf (Ostrov) und Nieder-Johnsdorf (Dolni Tresnovec), bestanden zum ueberwiegenden Teil aus Deutschen. Die meisten Einwohner von Ober-Johnsdorf waren Bauern oder Arbeiter auf den grossen Bauernhoefen. Es gab ein paar Handwerker -- vermutlich einen Tischler, einen Mueller, einen Schmied, einen Ladenbesitzer und einen Gastwirt. Diese kleinen Haendler besassen wahrscheinlich auch etwas Grund und Boden, den sie bebauten. Im Jahre 1854 gab es keine Kirche und nur eine Grundschule in Ober-Johnsdorf. Um an einem Gottesdienst teilzunehmen oder eine hoehere Schule zu besuchen, mussten die Bewohner von Ober-Johnsdorf nach Landskron fahren, einen Weg von ca. fuenf Kilometern. Da die Moeglichkeit, eine gute Schulausbildung zu bekommen, kaum existierte, verfuegten die meisten Einwohner nur ueber mangelhafte Schreib- und Lesekenntnisse.

Im Gegensatz zu Amerika gab es keine Bauernhoefe in der Gegend von Ober-Johnsdorf, die ausserhalb der Doerfer lagen. In Ober-Johnsdorf waren die Bauernhoefe auf beiden Seiten der Strasse gebaut worden. Die Felder begannen gleich hinter den Hoefen und erstreckten sich bis zu den Feldern der naechsten Doerfer. (In anderen Gegenden endeten die Felder am Waldrand oder an unbebaubaren Huegeln.) Im allgemeinen bebauten die Bauern in der Gegend von Ober-Johnsdorf nur Felder, die direkt an die Doerfer angrenzten, und keine Felder, die verstreut in der Umgebung lagen -- im Gegensatz zu Bauern in anderen Gegenden Europas. Allerdings kam es auch vor, dass zwischen dem Hof und dem Ende der eigenen Felder eine beachtliche Distanz lag. Auch gab es Land, das bewaldet oder tiefer gelegen war, das eine natuerliche Grenze zwischen den bebaubaren Parzellen inmitten des Gutes bildete.

Auch die Bauernhoefe waren in Ober-Johnsdorf anders. Im allgemeinen waren die Wohnraeume mit den Wirtschaftsraeumen verbunden. Die reicheren Hoefe waren in U-Form gebaut worden, oder sie waren rechteckig und hatten in ihrer Mitte einen Hof. Die rechteckige Form wurde wahrscheinlich zum besseren Schutz gegen Diebe und feindliche Soldaten entworfen und sie erlaubte auch den Bauern, ihre Tiere und Ernte vor umherstreifenden Tieren in Sicherheit zu bringen.

Das Dorf Ober-Johnsdorf umfasste 1108 Hektar. Zu einem durchschnittlichen Bauernhof gehoerten in Ober-Johnsdorf ca. acht Hektar, mit einem mehr als fuenfzig prozentigen Anteil an Hoefen, die weniger als fuenf Hektar besassen. Nur zu rund einem Dutzend der Bauernhoefe gehoerten mehr als fuenfzig Hektar. Die Bauern, die auf den kleinsten Hoefen lebten, waren gezwungen, ihre Einkuenfte durch fallweise Lohnarbeit auf den grossen Hoefen aufzubessern, da sie am Existenzminimum lebten. Die wohlhabenderen Bauern betrieben wahrscheinlich kommerzielle Landwirtschaft und es war ihnen auch moeglich, ihre Produkte auf Maerkten in den nahegelegenen Staedten anzubieten. Es ist auch wahrscheinlich, dass ueberschuessiges Getreide auf Pferde- oder Ochsenwagen in die fuenf Kilometer entfernte Stadt Landskron transportiert wurde, um von dort aus per Eisenbahn in verschiedene Staedte des oesterreichischen Imperiums verschickt zu werden.

Der Anstoss zur Emigration

Die meisten der Familien der Emigranten hatten seit mehreren 100 Jahren im Kreis Landskron gelebt. Bis zum Jahre 1848 waren die Einwohner von Ober-Johnsdorf lehnsrechtlichen Beschraenkungen unterworfen, die ihre Reisefreiheit beschraenkten und sie zu verschiedenen Diensten ihren Lehnsherren gegenueber verpflichteten. Auch wurde der Wert einer Person an ihrer Abstammung und nicht an ihren Taten gemessen. 1848 erschuetterten Revolutionen einen Grossteil Europas und der Kaiser des oesterreichischen Reiches beseitigte die letzten Ueberreste des Feudalismus. Langsam verbreitete sich die Nachricht, dass es nun moeglich sei, zu emigrieren.

Der Zuwachs der Bevoelkerung und haeufige Kriege veranlassten die Menschen ueber eine Auswanderung nachzudenken. Waehrend der Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die verbesserte Nahrungslage und Hygiene eine Bevoelkerungsexplosion bewirkt, die dazu fuehrte, dass junge Menschen nur sehr begrenzte landwirtschaftliche Moeglichkeiten vorfanden. Es gab nur wenig unbebautes Land in der Gegend und die existierenden Bauernhoefe aufzuteilen, haette nur zu ihrer Profitlosigkeit gefuehrt. Weiters war das oesterreichische Reich staendig in irgendwelche Kriege verwickelt, die sich in Form von erhoehten Steuern bemerkbar machten und auch dazu fuehrten, dass die Soehne in fremden Gegenden als Soldaten zu dienen hatten.

Einer dieser Kriege hatte direkten Einfluss auf das Leben jedes einzelnen Einwohners des Kreises Landskron. Im Juni 1866 brach Krieg zwischen dem oesterreichischen Imperium und dem preussischen Koenigreich aus. Ein Hauptgrund des Krieges war der Streit zwischen Oesterreich und Preussen ueber die Frage, ob ein vereinigtes Deutschland geschaffen werden sollte oder nicht, welche Laender zu der neuen Nation gehoeren sollten und wer die fuehrende Kraft in der neuen deutschen Nation sein sollte: Oesterreich oder Preussen. Ein wichtiger Verbuendeter der Preussen in diesem Krieg war Italien, das durch seine Solidaritaet mit Preussen Oesterreich dazu zwang, an zwei Fronten zu kaempfen. Dem preussischen General Moltke, der im U.S. amerikanischen Buergerkrieg die wesentlichen Grundzuege der Telegraphie und der Eisenbahn kennengelernt hatte, war es moeglich, rasch mit einem beachtlichen Teil der preussischen Armee in Boehmen einzumarschieren. Hunderttausende preussische Soldaten fielen in Boehmen ein.

Gleichzeitig marschierten hunderttausende oesterreichische Soldaten nach Boehmen, um dort auf die preussische Armee zu stossen. Ein Teil der oesterreichischen Truppen bezog in der Gegend um Landskron Quartier, andere Teile der oesterreichischen Armee marschierten durch diese Gegend. Zeitweilig befanden sich 120.000 Truppen in der Umgebung von Landskron.

Am 3. Juli 1866 traf die kaiserliche oesterreichische Armee auf die preussische Armee nordwestlich von Hradec Kralove (Koeniggraetz), das ungefaehr 65 Kilometer von Landskron entfernt liegt. (Die Schlacht von Koeniggraetz wird auch als die Schlacht von Sadowa bezeichnet.) Die preussische Armee war aber besser ausgeruestet als die oesterreichische. Ein entscheidender Vorteil der preussischen Infanterie war, dass diese ueber Hinterlader, das sogenannte Zuendnadelgewehr, verfuegte, das ihr erlaubte, im Anschlag liegend auf die stehende oesterreichische Infanterie, die Vorderlader verwendete, zu schiessen. Der Sieg der Preussen kam unvermutet und war vollkommen.

Nach der Niederlage der oesterreicher begannen sich einige der oesterreichischen Truppen zurueckzuziehen und zwar durch die Gegend von Landskron und mit preussischen Truppen im Schlepptau. Es gab ein Scharmuetzel nahe der Doerfer Rudelsdorf (Rudoltice) und Thomigsdorf (Damnikov). Der Marsch dieser beiden Armeen verwuestete einen Grossteil der Ernte und der Bevoelkerung wurden Nahrungsmittel weggenommen. Die Preussen besetzten Landskron und zehn bis zwanzig Soldaten bezogen Quartier in Haeusern, die ihnen zusagten. Dieser Krieg und die daraus resultierende Besetzung durch die preussische Armee hatten eine tiefgreifende Wirkung auf die Landskroner und veranlassten viele nach Amerika zu emigrieren.

Die Neue Welt

Ab 1850 ermutigten zahlreiche Quellen deutsche Bauern nach Amerika auszuwandern. Deutsche Schriftsteller ruehmten in "Wie man emigriert" - Buechern Amerikas Tugenden, vor allem die Freiheit und die Tatsache, dass Grund und Boden nicht viel kosteten. Bahn- und Schiffsunternehmen versuchten den Menschen die Auswanderung besonders schmackhaft zu machen, nur um ihr Unternehmen zu vergoessern. U.S. amerikanische Staaten, wie zum Beispiel Wisconsin, schickten Agenten in europaeische Haefen, um Auswanderer zu bewegen, sich in ihren Staaten niederzulassen. Die ersten und wahrlich mutigeren Auswanderer mussten sich auf die Informationen dieser Schriftsteller und Unternehmer verlassen. Die meisten der Emigranten, die spaeter folgen sollten, hatten dann bereits von ihren ehemaligen Dorfgenossen von den Vorzuegen eines Lebens in Amerika gehoert.

Ab ca. 1850 beschrieben Schriftsteller mit Vorliebe das angenehme Leben in Wisconsin. Sie betonten vor allem das preiswerte und ueberall vorhandene Ackerland, das der Heimat sehr aehnliche Klima und auch die Anwesenheit von vielen anderen Deutschen.

Im Jahre 1854 war Watertown mit seinen 8.000 Einwohnern eine der groessten Staedte von Wisconsin. Es gab im Ueberfluss fruchtbares Ackerland, das zum Teil bereits von frueheren Siedlern gerodet worden war und das jedem Mann, der sein eigenes Land bebauen wollte, zusagen musste. Wisconsin wurde im Jahre 1848 zum Staat ernannt, und der suedliche Teil von Wisconsin wurde nicht mehr als Grenze zum Wilden Westen angesehen. Eisenbahnlinien begannen die bedeutenden Staedte im Staat zu verbinden, und den Bauern war es moeglich, ueberschuessige Produkte auf den Maerkten zu verkaufen.

Watertown war auch zu einem Zentrum der deutschen Einwanderung geworden. Die Landskroner Emigranten fanden dort und in der Umgebung von Watertown deutschsprachige Immigranten aus dem oesterreichischen Imperium, aus Bayern, Preussen und anderen deutschen Laendern zusaetzlich zu Landskronern, die bereits Jahre zuvor emmigriert waren. Watertown hatte eine deutsche katholische Gemeinde, St. Heinrich, eine deutsche Zeitung, den Anzeiger, und eine Brauerei.

Die Reise in die Neue Welt

Die meisten der Emigranten aus dem Kreis Landskron verliessen Europa von Bremen aus. Bremen liegt im Nordwesten Deutschlands und verfuegt ueber einen bedeutenden Hafen. Wahrscheinlich reisten sie per Bahn nach Bremen, um so zu ihrem Schiff nach Amerika zu kommen. Im allgemeinen steuerten die Emigranten, die in den Mittleren Westen wollten, die Haefen von New York oder Baltimore an. Nach ihrer Ankunft in Amerika nimmt man an, dass die meisten der Siedler den Zug via Chicago nach der jenigen Stadt nahmen, in deren Umgebung sie sich nach einem Stueck Land umsehen wollten. Wenn die Eisenbahn sie noch nicht bis an ihr Ziel gebracht haben sollte, dann nahmen sie noch die Pferdekutsche.

Die erste Familie, von der man glaubt, dass sie Landskron in Richtung Watertown verlassen hat, war eine Familie Langer aus dem Dorf Michelsdorf, die 1852 ausgewandert war. Diese Familie blieb aber nicht endgueltig in der Umgebung von Watertown, sondern reiste ein paar Jahre spaeter nach Minnesota und danach noch nach Fargo, in die Gegend von North Dakota. (Einer der Nachfahren dieser Familie ist der verstorbene Gouverneur von North Dakota und Senator der Vereinigten Staaten von Amerika, William Langer).

Die ersten Emigranten, von denen bekannt ist, dass sie im suedlichen Wisconsin geblieben sind, kamen 1853 dort an. In den Dokumenten der Johanna, die am 10. Jaenner 1853 in New York aus Bremen angekommen war, war von vier Familien die Rede, von denen man annimmt, dass sie aus dem Kreis Landskron stammten, und sich dann im suedlichen Wisconsin niederliessen: John-Adam Fischer, John Huebel, John Langer und John Stangler. Im selben Jahr reisten dann noch eine Anzahl von weiteren Familien von Landskron in den Sueden Wisconsins. Auf der Oldenburg, die von Bremen nach New York City fuhr, befanden sich folgende Menschen aus Ober-Johnsdorf: die Familie Johann Meitner und die Familie Johann Schoeberle, Vinzenz Klecker und Franz Schoeberle. Sie alle, ausser Franz Schoeberle, liessen sich fuer immer in der Umgebung von Watertown nieder. Franz Hampel und seine Familie, die aus einem nahegelegenen Dorf, naemlich Rathsdorf, stammten, waren mit ihnen mitgekommen und liessen sich auch fuer immer in der Umgebung von Watertown nieder, genauso wie die Franz-Langer-Familie. Weitere Familien, von denen man annimmt, dass auch sie aus dem Kreis Landskron gekommen waren, waren die Familien von Bernhard Leschinger, Franz Fischer, Engelbert Haberman und Ignatz Huebl, die gemeinsam mit den anderen Familien gereist waren und sich offensichtlich in der Naehe von Waterloo, Wisconsin, niedergelassen haben.

Diese Schiffsdokumente zeigen deutlich auf, dass die Auswanderung nach Amerika nicht die Angelegenheit eines einzelnen oder einer einzelnen Familie war. Die Emigranten versuchten gemeinsam mit anderen aus ihrer Heimatgemeinde nach Amerika zu reisen und wurden dort oft von ihren Landsleuten in Empfang genommen.

Das Leben in der Neuen Welt

Nach der Ankunft der Emigranten in Amerika halfen ihnen bereits sesshafte Siedler eine Unterkunft, eine Farm und Arbeit zu finden. Es entwickelten sich im Laufe der Zeit kleine Gruppen von Landskronern, da die, die spaeter ausgewandert waren, in der Naehe ihrer Landsleute leben wollten. Manchmal aber blieben diese Nachzuegler nur fuer ein paar Monate oder Jahre bei ihren Freunden oder Verwandten, um sich dann nach billigerem Land umzusehen. Der Weg dieser Landskroner laesst sich von Watertown Richtung Westen nach Sun Prairie, Wisconsin, und in den Sueden nach Janesville, Wisconsin, verfolgen. Eine bedeutende Anzahl von Landskronern liess sich in Pierce County, Wisconsin, nieder, direkt oestlich der Zwillingsstaedte Minneapolis und St. Paul, Minnesota. Sowohl Deutsche als auch Tschechen aus der Gegend von Landskron siedelten sich dort an. Die tschechisch-amerikanische Gemeinde heisst heute noch Cherma, der Name stammt von ihrer Heimatstadt Cermna. Andere Landskroner Gruppenblieben in der Naehe von Owatonna, Minnesota und Casselton, North Dakota. Es istanzunehmen, dass weitere Forschungsarbeiten kleine Gruppen von Siedlern aufihrem Weg bis hin zum Pazifik entdecken werden.

Als Beispiel dieser Wanderung nach Westen moege Franz Jansa aus Cermna (Boehmisch Rothwasser) und dessen Frau dienen, die 1867 nach Watertown gekommenwaren. Die Jansas hatten nichts weiter als eine kleine Truhe mitgebracht, dieein paar Haushaltsgegenstaende enthielt, sowie sein Werkzeug, das er als Schmiedbrauchte. Er blieb zunaechst eine Woche gemeinsam mit seiner Frau bei derenTante und Onkel, der Familie Johann Roffeis, bis Johann Roffeis ein kleines Hausfuer sie gefunden hatte. Um ihnen beim Aufbau des Haushalts zu helfen, bekamensie von Johann Roffeis ein Dutzend Eier, einen Sack Mehl und ein Nudelholz. DieEinrichtung des Hauses war spaerlich: ein Ofen, Kisten, die als Sessel dienten,ihre Truhe und ein Bett. Das Bett war eine Kiste, die mit Stroh gefuellt worden war und auf der Decken lagen. Trotz dieser bescheidenen Anfaenge gelang es Franz Jansa seinen Lebensstandard entscheidend zu verbessern. Waehrend der naechsten elf Jahre arbeitete er als Schmied in Waterloo und Marshall, Wisconsin. In diesem Zeitraum hatte er es geschafft, 3000$ zu sparen. Gemeinsam mit seiner Familie zog er dann nach Cherma in Pierce County, Wisconsin, wo er eine Farm kaufte.

Obwohl sich einige der Siedler fuer immer in den Doerfern und Staedten des Mittleren Westen niederliessen, war die Mehrheit aber gekommen, um Grund und Boden zu erwerben. Denen, die ueber finanzielle Mittel verfuegten, gelang es meist schon knapp nach ihrer Ankunft, einen Bauernhof zu kaufen. Zum Beispiel war es Johann Langer, der in Ober-Johnsdorf ca. 16 Hektar Land besass, moeglich, innerhalb nur eines Monats nach seiner Ankunft in der Naehe von Watertown eine 32 Hektar grosse Farm zu erwerben. Andere verdingten sich als Arbeiter oder sie pachteten Land, bis sie es sich leisten konnten, eigenes zu kaufen. Ein Beispiel dafuer ist Franz Jansa, der bereits oben erwaehnt wurde. Ein weiteres Beispiel ist Johann Pitterle aus Ober-Johnsdorf, der ein Wagenmacher gewesen war und ein bisschen Land besessen hatte. Er kam im Jahre 1854 nach Amerika und konnte dort eine 32 Hektar grosse Farm um nur 600$ nahe Watertown, Wisconsin, kaufen. Um das tun zu koennen, musste er allerdings einen Kredit mit zehn prozentigen Zinsen aufnehmen, an den noch zusaetzlich die Bedingungen geknuepft waren, dass 200$ mit 1. Juli 1858 und 400$ mit 2. Jaenner 1863 faellig waren. Diese 32 gemeinsam verbrachten. Wie bereits erwaehnt, waren sie bemueht, Farmen in Gruppen zu kaufen, um auch weiterhin zumindest einige ihrer Landsleute sehen zu koennen. Da die meisten von ihnen roemisch-katholisch waren, besuchten sie denselben Gottesdienst. Auch schlossen unterschiedliche Sprachen und Religionen einen regen Austausch mit anderen, also nicht deutschsprachigen bzw. katholischen Farmern von vorne herein so gut wie aus, was dazu fuehrte, dass viele Landskroner Nachfahren untereinander heirateten.

Von den fruehen Siedlern wurde fuer den Verkauf vorwiegend Weizen angebaut. Nachdem aber der Mehltau die Rentabilitaet des Weizens zerstoert hatte, wechselten die Farmer zu Milch und Milchprodukten ueber, die sie am Markt verkauften.

Nun folgt eine (unvollstaendige) Liste von Maennern und Frauen aus Landksron, die sich in Wisconsin niedergelassen haben. Soweit der Geburtsort bekannt ist, wurde er in der Klammer angegeben.

Die Watertown Gemeinde:

Die groesste Gruppe der Landskroner Emigranten in Watertown kamen aus den Doerfern Ober- und Nieder-Johnsdorf (Horni und Dolni Tresnovec). Andere Doerfer aus dem Kreis Landskron waren in Watertown ebenfalls vertreten, wie zum Beispiel die Doerfer Cermna (Boehmisch Rothwasser), Dittersbach (Horni Dobrouc), Lukau (Lukova), Olbersdorf (Albrechtice), Rathsdorf (Skuhrov), Rudelsdorf (Rudoltice), Sichelsdorf (Sichlanek), Thomigsdorf (Damnikov) und die Stadt Landskron. Die Liste der Familiennamen in Watertown umfasst die folgenden: Barrent, Bopp, Brusenbach, Clement, Dobischek, Frodel, Groh (Gro), Hampel, Heger, Huebl, Huss, Jahna (Yahna), Hecker, Hausler, Huebler, Janisch, Kalupka, Klecker, Koehler, Kohler, Kreuziger, Kunert, Kunz, Langer, Melcher, Meitner, Miller, Mueller, Motl, Pfeifer, Pitterle, Richter, Roffeis, Roller, Schless, Schlinger, Schmeiser, Schoeberle, Schmid, Schramm, Stadler, Stangler, Steiner, Uherr, Unzeitig, Warner, Wohlitz, Wollitz und Zeiner.

Weitere Landksroner, die zumindest fuer kurze Zeit in der Umgebung von Watertown gelebt haben oder die in Watertown geheiratet haben, sind: Benesch, Betlach, Gritzbauch, Jansa, Kratschmer, Marek, Maresh, Markl, Nagel, Wavra und Willertin.

Die Waterloo Gemeinde:

Die Doerfer, die in Waterloo vertreten waren, waren: Cermna (Boehmisch Rothwasser), Hertersdorf (Horni Houzovec), Jokelsdorf (Jakubovice), Knappendorf (Knapovec), Michelsdorf (Ostrov), Rathsdorf (Skuhrov), Rudelsdorf (Rudoltice), Tschernowier (Cernovir) und Zohsee (Sazava). Die Liste der Familiennamen in Waterloo bestand unter anderem aus den folgenden Namen: Barta, Bartosch, Benisch, Betlach, Binstock (Binenstock), Blaschka, Fiebiger, Filg, Haberman, Huebel, Jahna, Janisch, Klecker, Koblitz, Langer, Leschinger, Lutz, Maresch (Mare ), Mautz, Melchior, Miller, Motl, Neugebau, Peschel, Pitterle (Peterle), Rotter, Tilg (Yelg), Tomscha, Schieck, Schiller, Skalitzky (Skalitzka), Springer, Stangler, Veith, Wovra, Wurst, Zalmanova und Zimbrich (Zimprick).

Die Pierce County Landskroner:

Bei dieser Gruppe duerfte es sich um eine spaetere Ansiedlung gehandelt haben, die aus einer Uebervoelkerung der Gemeinden von Waterloo und Watertown resolutierte. Viele tschechische Emigranten aus Cermna (Boehmisch Rothwasser) liessen sich hier nieder. Die Tschechen nannten ihre Gemeinde Cherma nach ihrem Heimatdorf, das eines der ersten hauptsaechlich tschechischen Doerfer noerdlich der Stadt Landskron gewesen war. Es grenzt an Ober-Johnsdorf, aus dem die meisten der Watertown-Siedler und auch einige der Siedler, die sich in der Umgebung von Watertown niederliessen, stammten. Andere Emigranten kamen aus den Doerfern Hermanice (Hermanitz), Jokelsdorf (Jakubovice), Michelsdorf (Ostrov), Nieder-Johnsdorf (Dolni Tresnovec) und Sichelsdorf (Sichlinek). Unter den Landskroner Familien waren die folgenden: Appel, Bene , Brickner, Falteisek, Fischer, Gregor, Huebl, Janovec, Jansa, Kusilek, Maresh, Merta, Motl, Novak, Pecharek, Roller, vec, Tajerle, Prokscher, Heinz, Jahna (Yahna), Jana (Yana), Janisch (Yanisch), Kabarle, Katzer, Kitna, Klecker, Kreuziger, Langer, Maresch, Meixner, Marek, Nagle, Neugebauer, Nickel (Nicol), Pelzel, Raeschler, Richter, Schmeiser, Schmied, Schoeberle, Strofus, Svec, Steiner, Tayerle und Yanovec.

Schlusssatz:

Die Emigranten, die aus Landskron nach Wisconsin gekommen waren, fanden das Landund die Freiheit, nach der sie sich gesehnt hatten. Auch erreichten sie im allgemeinen einen viel hoeheren Lebensstandard als ihre Verwandten, die in Landskron geblieben waren. Ausserdem war es ihnen noch zusaetzlich gelungen, demGrauen der Kriege, dem Nazi-Regime, der Vertreibung, der Kollektivierung und derkommunistischen Herrschaft zu entkommen, Ereignisse, die das Leben der Deutschenund Tschechen, die nicht ausgewandert waren, kennzeichneten.


(Der Autor, der der deutschen Sprache maechtig ist, kann unter seiner Adresse -- 11430 W. Woodside Drive, Hales Corners, WI 53130 U.S.A. -- erreicht werden. Seine Telefonnummer lautet (414) 529-4822. Seine Email-Adresse ist: edlanger@execpc.com). )

Der Text wurde freundlicherweise von Helga C. Fink aus Leoben, Oesterreich, vom Englischen ins Deutsche uebersetzt.


Return to U.S. Research German-Bohemian Heritage Society © 

Revised
26 March 2000